Thigmothaxis: Warum du bei einer Party immer am Türrahmen stehst

Shownotes

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, warum wir auf Partys meist nicht in der Mitte des Raumes stehen, sondern lieber am Rand, an der Küchenzeile oder mit dem Rücken zur Wand? Keine Sorge, damit bist du nicht allein. Dieses Verhalten ist in uns allen tief verwurzelt.

In dieser Episode spreche ich mit dir über „Thigmotaxis“, einen Begriff aus der Verhaltensbiologie, der beschreibt, warum Menschen (und auch Tiere!) instinktiv den Rand suchen, anstatt sich mutig ins Zentrum zu stellen. Ich erzähle dir, wie dieses Phänomen in unserem Nervensystem verankert ist und welche Rolle Sicherheit und Rückendeckung dabei spielen. Ob Piazza del Campo in Siena oder das eigene Wohnzimmer: Überall zeigt sich, dass das Leben in Räumen und auf Plätzen am Rand pulsiert.

Du bekommst von mir nicht nur spannende Hintergründe aus der Wissenschaft und der Architektur, sondern auch ganz praktische Tipps, wie du dein Zuhause bewusster gestalten kannst, um dich sofort wohler zu fühlen und dafür brauchst du weder viel Geld noch große Umbauten. Entdecke mit mir gemeinsam, wie alt unsere Rauminstinkte wirklich sind, warum der Tisch an der Wand im Restaurant so beliebt ist und wie du mit kleinen Kniffen Gemütlichkeit und Sicherheit in deine eigenen vier Wände holen kannst. Links:

Website: https://nicolegottschall.ch/

Informationen & Anmeldung zu den Workshops: https://nicolegottschall.ch/workshops

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/nicole-gottschall-49b5319/

Transkript anzeigen

00:00:07: Hallo zusammen und willkommen zu meinem Podcast Spazium-Welbien für Herz, Hirn und Raum.

00:00:13: Ich bin Nicole Gottschall Evidenz Based Design Spezialistin Reimstadt Deging Gernier im Verräume und auch Innenarchitekten.

00:00:24: Stell dir kurz mal vor die letzte Party Auf dieser Party.

00:00:30: hast du irgendwo gestanden?

00:00:32: Erinnerst dich?

00:00:33: Du dich noch wo?

00:00:36: ich verrate dir die Antwort ohne dich zu kennen Nicht in der Mitte des Raumes, sondern irgendwo am Rand an der Küchenzeile.

00:00:45: Vielleicht im Türhanen aber sicher mit dem Rücken zur Wand vielleicht mit einem Glas in der Hand ans Ausrede warum du genau dort stehst.

00:00:57: und falls du jetzt denkst nein ich nicht ich steh da wo ich will dann schau doch mal beim nächsten Appar einfach um dich herum und schaube musst hin, wo die Leute tatsächlich stehen.

00:01:11: Du wirst feststellen, die Mitte des Raumes bleibt fast immer leer.

00:01:17: Als hätte jemand ein Schild aufgestellt – bitte hier nicht stehen!

00:01:23: Niemand hat dieses Schild ausgestellt aber es wirkt trotzdem bei dir, bei mir, bei praktisch allen Menschen.

00:01:32: und das Spannende ist, dieses Verhalten ist so alt dass es nicht einmal mit Menschen angefangen hat.

00:01:40: Also, ich spreche heute über das Thema Tigmotaxis.

00:01:44: Was genau ist Tigmottaxis?

00:01:48: Es hört sich zuerst mal ziemlich wissenschaftlich an Wenn ich solche erkläre werde dirs aber super gut verstehen.

00:01:55: Der Begriff kommt aus der Verhaltensbiologie und beschreibt etwas Wunderbar unlangröses Die Tendenz von Lebewesen sich entlang von Kanten, Wänden und Begrenzungen zu bewegen statt durch die offene Mitte.

00:02:14: Man hat das zuerst bei Tieren beobachtet.

00:02:17: Setzt man eine Ratte in einen neuen ungewohnten Raum läuft sie nicht mutig ins Zentrum.

00:02:24: Sie läuft an den Wändern entlang.

00:02:27: Erst nach einer kurzen Weile wenn sie sicher genug gefühlt wagt sie sich in die offene Fläche.

00:02:35: Forscher nennen das einen Angstindikator, wann nähe heißt Schutz?

00:02:43: Die offene Mitte heisst ich bin exponiert Ich bin sichtbar, ich bin verwundbar!

00:02:50: Ich bin sicher dass ihr das alle kennt.

00:02:52: dieses Gefühl.

00:02:54: und jetzt kommt aber der Teil der mich an diesem Thema so fasziniert.

00:03:00: Dasselbe Verhalten findet man bei Osseln unter Steinen, bei Insekten und bei uns Menschen.

00:03:11: Auf Plätzen in Büros – und ja natürlich auch auf Partys!

00:03:15: Zwei amerikanische Forscher, ein Sassmann an Justin Hollander haben das in ihrem Buch Cognitive Architecture auf den Punkt gebracht.

00:03:25: Edges Matter Ränder zählen Ihre These.

00:03:33: Wir meiden offene Flächen nicht aus Geschmack.

00:03:36: Wir meidern sie, weil unser Nervensystem noch immer denkt wir stehen auf der Savanne.

00:03:43: und auf die Savanne gibt es zwei Optionen frei und exponiert in den Mitte stehen oder Deckung haben um damit eine Chance einem Angriff einen Angriff frühzeitig zu sehen und flüchten zu können.

00:04:03: Unser Gehirn hat sich seit damals nicht aktualisiert.

00:04:07: Wir tragen noch immer die Software unserer Vorfahren in uns, nur die Oberfläche heißt heute Büro-Großraum statt Stippe.

00:04:19: Die Architektur kennt das längst.

00:04:22: Schau dir die Piazza del Campo in Siena an einer der schönsten Plätze Europas.

00:04:29: riesig offen großartig Googlemo.

00:04:33: Und trotzdem die Menschen stehen nicht in der Mitte, sie stehen am Rand an den Fassaden vor den Schaufensten.

00:04:40: Selbst auf dem schönsten Platz der Welt zieht uns der Rand magisch an!

00:04:48: Der Architekturtheoretiker Christopher Alexandra hat dafür einen Satz geprägt, den ich seit Jahren liebe... wird der Platz nie lebendig.

00:05:08: Schau dir die alten Städte an, Prag Paris, die Allschöpfung Bern zum Beispiel, die kennst du vielleicht?

00:05:15: Schmale Gassen, klare Kanten, Häuser wie einen Randbilden, an dem man entlangaufen kann.

00:05:25: Moderne Plätze dagegen große Kale Betonflächen vor Büro-Türmen wirken oft tot.

00:05:33: zusätzlich haben wir jetzt noch ein klimatisches Problem.

00:05:38: Diese Plätze sind nicht weil sie schlecht gestaltend sind im Sinne von Ästhetik, sondern weil sie keine Ränder anbieten wie ein bisschen tötelig.

00:05:50: Niemand will sich freiwillig in die Mitte einer exponierten Fläche stellen.

00:05:57: Jetzt überlegt man was hat das mit deinem Zuhause zu tun?

00:06:01: und jetzt wird es persönlich?

00:06:04: Denn dieses Prinzip endet nicht an der Haustür.

00:06:08: Hast du schon mal ein Wohnzimmer betreten, in dem die Sofas frei im Rahmen standen?

00:06:15: Weit weg von jeder Wand.

00:06:17: wie Inseln kann man machen muss man aber sehr geschickt noch umranden Aber vermutlich hast du jetzt dich auf so eine freie Insel nicht zu gern hingesetzt sondern vielleicht eher in die Ecke oder an die Wand, dorthin wo du Deckung im Rücken hast.

00:06:41: Das ist übrigens keine Geschmacksfrage!

00:06:44: Das ist dein Nervensystem das eine uralte Frage stellt.

00:06:49: Habe ich hier Rückendeckung?

00:06:52: Oder bin ich von allen Seiten sichtbar und

00:06:55: angreifbar?!

00:06:58: Räume, die diese Frage falsch beantworten fühlen sich unbewusst so ein bisschen unangenehm an.

00:07:05: Auch wenn sie objektiv wunderschön eingerichtet sind.

00:07:09: du kannst dich immer wieder mal überlegen warum dir dieser Reign so unbehaglig ist aber du fühlst es normalerweise einfach und oft ist die Antwort weil du nirgendwo eine Wand im Rücken hast.

00:07:28: Und jetzt kommt noch mal etwas dazu.

00:07:31: Tigmotaxis erklärt nicht alles, die Forschung selbst ist hier etwas unsicherer als Instagram-Architekturen kann es gerne hätten.

00:07:44: Es gibt in der Wissenschaft durchaus Stimmen, die sagen Manche Behauptungen rund um Degmo-Taxis in der Architektur sind noch zu wenig hieb und stichfest belegt, im Vergleich zum Beispiel zu Themen wie List oder Naturbezug die deutlich besser erforscht sind heutzutage.

00:08:05: Das heißt aber nicht, dass das Konzept falsch ist.

00:08:08: Es heisst, es sei vorsichtig mit Leuten die dir mit einer Studie aus dem Jahr zwei Tausend Fünfzehn erklären worum dein Sofa garantiert am falschen Ort steht.

00:08:20: Die Grundidee – und darum geht es hier für mich – ist plausibel und evolutionär gut begründet Aber es ist nur ein Baustein, kein Universalgesetz.

00:08:32: Mit anderen Worten Tigmot Taxis erklärt, warum du dich an der einen Wand wohler fühlst als in der Mitte?

00:08:41: Sie erklärt nicht, warum dir dich in deiner eigenen Wohnung manchmal trotzdem ein bisschen fremd fühlste.

00:08:48: Dafür brauchst du mehr als nur einen Rand im Rücken.

00:08:53: Aber das haben wir in einer frühen Folge bereits besprochen und werden das auch im Zukunft noch mehrmals ansprechen.

00:09:02: Vielleicht erklärt jetzt dieses Tigmotaxis auch, warum die Eckbank in der Küche nie wieder aus der Mode kommt?

00:09:12: Warum das Eckbühre in deiner Firma so begehrt ist?

00:09:17: Warum im Restaurant alle den Tisch an der Wand wohnen und der Tisch in der Mitte des Raumes zuletzt vergeben wird?

00:09:25: selbst wenn er den besseren Blick hätte.

00:09:29: Wir nennen das selten beim Namen, wir sagen einfach ach mag diesen Platz lieber!

00:09:35: Das dabei sagt eigentlich unser Nervensystem hier hat mein Rücken Deckung.

00:09:44: Ich bring dir jetzt den Handsleep für dein Zuhause mit und du musst nichts kaufen.

00:09:49: Du musst nicht zumbauen.

00:09:51: Du brauchst nur fünf Minuten und einen Ochenblick.

00:09:56: Schritt eins Geh durch deine Wohnung und identifiziere den Sitzplatz, an dem du dich am liebsten aufhältst.

00:10:04: Den, an den du automatisch zurückgehst.

00:10:10: Schritt zwei.

00:10:11: Schau genau hin!

00:10:13: Hat dieser Platz eine Wand ein Möbelstück oder eine Nische im Rücken?

00:10:19: In den allermeisten Fällen wirst du ja sagen.

00:10:23: Steht rein... Jetzt geht zu einem Platz, den du eigentlich nie nutzt, obwohl er vielleicht schön eingerichtet ist.

00:10:33: Häufig wirst du feststellen dieser Platz liegt frei im Raum, exponiert ohne Rückendeckung.

00:10:42: Schritt Vier Das Entscheidende Verschiebe diesen ungenutzten Platz so dass eine Kante im Rücken bekommt Eine Wand ein Regal eine Pflanze irgendetwas das eine Grenze markiert.

00:10:59: Du wirst überrascht sein, wie schnell ein totes Möbelstück Stück plötzlich lebendig wird.

00:11:06: Kleiner Bonus hier von mir, Bonus-Tipp für die nächste Party!

00:11:13: Stell ein, zwei Möbelstücke so um dass am Rand des Raumes mehr geschützte Stehplätze entstehen.

00:11:21: Deine Gäste werden sich nicht mehr alle an der Tür stauen.

00:11:25: Sie werden sich über den ganzen Raum verteilen, ohne dass du ein Wort darüber verlierst.

00:11:32: Und vielleicht stehst du ja beim Messen Apporo wieder am Rand – am Türrahmen mit dem Rücken zur Wand.

00:11:39: und das ist aber auch völlig in Ordnung!

00:11:41: Du bist nicht unsozial, du bist nicht schüchtern….

00:11:43: Du bist einfach ein Lebewesen mit einem sehr, sehr alten Nervensystem, das bis heute glaubt, irgendwo könnte ein Tiger

00:11:54: lauen.".

00:11:56: Vielleicht ist das sogar ein bisschen tröstlich.

00:11:59: Die Architektur ganzer Städte, die schönsten Plätze Horopas, sogar eine Lieblingssäcke im Wohnzimmer.

00:12:06: Sie alle folgen demselben uralten Gesetz wie die Astel unter dem Stein – Tigmottaxis!

00:12:16: Wir sind komplizierter als wir glauben und gleichzeitig einfacher, als wir zugeben wollen.

00:12:25: Bleibe neugierig auch vor allem mehr auf Menschen und auf die selbst.

00:12:31: Ich bin Nico Gottschall, Raumstatttegen Evidenz-Base-Design-Spezialisten in Geodesigner und Pionierin für Rolmi.

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